Gartenkolumne: Was hat ein Gärtner zu reisen?

Garten Imig am Niederrhein

 

Noch dazu in diesem Jahrhundert-Sommer? Dithmarschen macht Sommer – mehr als drei Monate in Folge, solange ich denken kann, hat es das noch nicht gegeben. Das gesamte Leben findet draußen statt. Die Mahlzeiten im Freien zelebrieren, lange Sommerabende bei Kerzenschein, die Nordsee mit Mittelmeer-Temperaturen.

 

Man fängt beinahe an, französisch, italienisch oder spanisch zu sprechen. „La vie et belle“, „la dolce vita“, „no tengo dinero“… Wer kann, legt eine ausgedehnte Siesta ein, alle Schotten dicht und „Silencio“! Mediterranes Lebensgefühl hier bei uns vor der Haustür, Dithmarschen – ein Sommermärchen.

Wer nun noch einen Garten besitzt, braucht wirklich nicht zu verreisen. 2018 steht für einen herrlichen Rosen-Sommer mit einer wunderschönen ersten Blüte schon ab Ende Mai und völlig gesundem Rosenlaub. In diesen Tagen erfreut uns eine ebenso frühe zweite Rosenblüte. Eine reiche Obst-und Gemüseernte belohnt die „Grow-your-own“-Community.

Nur eines hat (nicht nur) dem Gartenfreund hierzulande komplett gefehlt: Der eine und andere kräftige Regenschauer, bevorzugt in der Nacht. Das Wässern gehört zu den täglichen Aufgaben im Garten. An Monet und seinen Garten in Giverny habe ich oft gedacht, wenn ich mit dem Gartenschlauch durch meine Beete gezogen bin. Er hatte allerdings, als Oberhaupt einer großen Patchwork-Familie, eine Hilfstruppe von acht Kindern zum „Gießkannen weiterreichen“ in der Hinterhand…

Was, also hat ein Gärtner zu reisen? Diese Frage aus einem Sprüchlein von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) bringt es auf den Punkt:

„Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen beschränkt, zierlich, mein eigen gehört. Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt`s ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt.“

Goethe hat sich dieser quälenden Frage angenommen, bevor er zu seinen 40 großen Reisen u. a. nach Italien und in die Schweiz aufbrach. Wenn ich mir vorstelle, wie abenteuerlich und anstrengend diese Reisen sein mussten, per Postkutsche, hoch zu Ross, keine ausgebauten Straßen und keine Klimaanlage!

Goethes erste Italien-Reise dauerte dann auch fast 2 Jahre und war natürlich keine Gartenreise im eigentlichen Sinne. Dennoch gilt Goethe als einer der ersten Gartentouristen, denn in seinen Briefen und Aufzeichnungen schreibt er über die schon 1786 bekannten Park-und Gartenanlagen in Padua und Palermo. Die Berggärten in Limone, mit Zitronenbäumen bepflanzt, regten ihn zu einem berühmten und sehnsuchtsvollen Gedicht an:

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht, kennst du es wohl? Dahin, dahin, möcht‘ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!

Grundsätzlich hat ein Gärtner zu reisen, ob er nun Goethe heißt oder Meier! Er muss seinen (Garten-) Horizont erweitern! Er muss mal raus aus seinem grünen Reich, muss Abstand nehmen, um dann gut erholt, mit frischem Blick und neu inspiriert, in sein Refugium zurückzukehren. In diesem Sommer hätten es ein paar Tagesausflüge oder ein Kurztrip auch getan. Es dürfte für alle Urlaubsorte dieser Welt schwer sein, es mit dem Sommerfeeling hier bei uns aufzunehmen. Behalten Sie diesen Dithmarscher Sommer noch ein Weilchen in Ihrem Herzen. Der nächste Winter kommt bestimmt!

Meine Kolumne ist im Magazin „nordLIFE“ von Boyens Medien am 25.08.2018 erschienen.



3 Gedanken zu „Gartenkolumne: Was hat ein Gärtner zu reisen?

    • Kathrin Kock sagt:

      Ja, das mache ich auch immer! Irgendetwas findet sich immer, um es als Andenken aus einem schönen Urlaub mitzunehmen! Steine stehen auch bei mir ganz oben, dicht gefolgt von Muscheln…
      Zur Not kann man ja auch Garten und Reisen verbinden = Gartenreise 😉
      Für 2019 habe ich schon konkrete Pläne!

      Viel liebe Grüße und tolle Reisen!

  1. Zu Goethes Zeiten war es sicher noch viel spannender zu reisen, als heute! Damals hatten wohl nicht so viele die Möglichkeit, fremde Länder zu sehen. Ein Blick in fremde Gärten hat mich auch schon immer fasziniert. Leider ist hier in der Gegend nicht so viel geboten mit offener Gartentür.
    Viele Grüße von
    Margit

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.