Garten-Persönlichkeiten: Piet Oudolf – Gartengestalter und Buchautor

Er zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Gartengestaltern weltweit, sein Name steht für eine besondere Art des Gartendesigns. Grund genug, ihn und sein Buch „Neues Gartendesign mit Stauden und Gräsern“ hier vorzustellen…

 

 

Piet Oudolf wurde am 27. Oktober 1944 in Haarlem in den Niederlanden geboren. Nach der Schulzeit arbeitete er zunächst als Kellner und Barkeeper im Restaurant der Eltern, später als Fischhändler und Stahlarbeiter. Mit 25 Jahren begann er für einen Gartengestalter zu arbeiten und entwarf schließlich selber Gärten.

Mit seiner Frau Anja gründete er 1977 eine Firma für Gartengestaltung und die Firma „Future Plants“. Sie züchteten Pflanzen für Parks und Grünanlagen. Nach dem Besuch in den Beth Chatto Gardens in der Nähe von Colchester fühlte er sich ermutigt, eine eigene Gärtnerei aufzuziehen. In Hummelo eröffnete „De Koesterd“. Hier wurden Pflanzen von Ernst Pagels aus Ostfriesland und Beth Chatto angeboten, später kamen Versuchsfelder dazu, in denen Oudolf naturnahe Pflanzen kultivierte.

Sein berühmter Privatgarten entstand. Dieser ist bekannt geworden durch die in Wellen geschnittene Eibenhecke und andere in Form geschnittene Gehölze, die einen strengen Rahmen bilden. Die Bepflanzung der Beete setzt einen Kontrapunkt, hier spielen Gräser die Hauptrolle und naturhafte Stauden. Den Garten habe ich 2006 und 2007 besucht. Ein Traum! Die Gärtnerei ist seit 2010 geschlossen und sein Privatgarten ist nur noch in diesem Jahr für die Öffentlichkeit geöffnet, siehe oudolf.com

Oudolf ist zunächst stark von der niederländischen Gartenarchitektin Mien Ruys beeinflusst, wendet sich aber mehr und mehr der naturnahen Bepflanzung zu. Prairie-Gärten, auch das ökologische Gärtnern, wie es in den Sichtungsgärten Hermannshof in Weinheim und Weihenstephan zu sehen ist, beeinflussen mehr und mehr sein Gestalten.

Sein jetziger Stil wird dem Neuen Naturalismus zugeschrieben. Karl Foerster, Henk Gerritsen, Rob Leopold und Cassian Schmidt gehören zu den Gestaltern, die diesem neuen Stil als Paten zur Seite standen.

Garten ist für Oudolf nicht Dekoration sondern Prozess. Ein Garten soll nicht nur im Sommer wirken, sondern ganzjährig, Gräser und Stauden mit großen Samenständen machen gerade im Winter etwas her und bleiben daher stehen bis zum Frühjahr. Sein Interessse gilt dem Garten als Ökosystem, Farben spielen eine untergeordnete Rolle. Charakteristisch sind die Töne, Lila, Purpur, Orange und Braun in allen Schattierungen. Wichtiger aber sind ihm die Nachgestaltungen von Pflanzgemeinschaften.

In der gesamten Welt hat Oudolf inzwischen Gärten angelegt. 1996 den ersten in England für eine Gärtnerei, die ihren Kunden die Vielfalt der angebotenen Pflanzen und ihre Verwendung nahelegen wollte. Er gilt als eher untypisch für Oudolf, da sehr viel verschiedene Arten von Pflanzen eingesetzt wurden. Die meisten Gärten aus Oudolfs Feder liegen in der maritim beeinflussten Klimazone Westeuropas und den USA. Aber, auch mediterrane Gärten hat er angelegt. Einen Garten gibt es sogar in Schleswig-Holstein.

In seinem Buch „Neues Gartendesign“ geht er auf alle Aspekte seiner Art der Gartengestaltung ein.

Wer einen Garten oder einzelne Beete plant, kann auswählen aus einer Palette von verschiedenen Pflanzen. Oudolfs Art von Gestaltung bewertet die Pflanzen nach der Gestalt ihrer Blüten-und Frucht-oder Samenstände, nach Form und Struktur der Blätter, erst dann dreht es sich um die Farbe.

Bei der Komposition von Pflanzen geht es vor allem um Struktur, die sich aus den Formen von Blüten oder Blütenständen ergibt, um die Kombination von Formen und Farbe. Es geht um den Aufbau eines Beetes, der wie der Bildaufbau eines Malers zu verstehen ist. Strukturpflanzen, z. B. große Gräser sind die „Persönlichkeiten“ im Beet, Lückenfüller, wie Geraniumsorten, Wollziest und Frauenmantel vermitteln zwischen den „Strukturgebern“. Es geht um Wiederholung und Rhythmus, um Pflanzen, die als architektonische Elemente dienen (Hecken, Kugeln, Würfel, Kreise).

Wie können Stimmungen in einem lebendigen Garten erzeugt werden? Oudolf ist es wichtig, durch das jahreszeitlich bedingte Werden und Vergehen Emotionen zu wecken. Diese werden unterstützt durch Licht, Bewegung, Harmonie, Monotonie und Erhabenheit.

Wunderschöne Fotografien, eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Piet Oudolf und Noel Kingsbury, machen dieses Buch zu einem Highlight für alle, die sich für diese Art der naturnahen Gartengestaltung interessieren.

Piet Oudolf/Noel Kingsbury „Neues Gartendesign mit Stauden und Gräsern“, 3. Auflage 2014, 160 Seiten, 286 Farbfotos, gebunden, € 29,90

 



2 Gedanken zu „Garten-Persönlichkeiten: Piet Oudolf – Gartengestalter und Buchautor

    • Kathrin Kock sagt:

      Hallo Duda,

      nicht nur künstlerische Fotos, die Gärten von Piet Oudolf sind Kunst! Wie Gemälde sehen seine Beete aus, einfach wundervoll!

      Liebe Grüße

      Kathrin

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