Blick über den Gartenzaun – der „Offene Garten in Schleswig-Holstein und Hamburg“

In gut 14 Tagen ist es wieder soweit! Die Teilnehmer des „Offenen Gartens Schleswig-Holstein und Hamburg“ öffnen ihre Gartenpforten für die Öffentlichkeit!

Ein Interview mit Svenja Schwedtke vom Organisationsteam des „Offenen Gartens“.

kathrinsgarten: Liebe Svenja, der „Offene Garten – das grüne Band durch Schleswig-Holstein und Hamburg“ geht ins 19. Jahr. Eine blumige Erfolgsgeschichte! Die Idee, seinen Garten zu öffnen für andere Gartenliebhaber stammt ursprünglich aus England? Erzähl doch mal von den Anfängen hier bei uns im Norden!

Svenja: Vor fast 20 Jahren hatten Ljiljana Ehler, die heute noch im Organisationsteam ist, und eine Freundin die Idee, einen Offenen Garten für Schleswig-Holstein zu gründen, nachdem sie auf einer Reise in Holland und England geöffnete Gärten besucht hatten. Im ersten Jahr (2000) waren 17 Gärten geöffnet, ab dann wurden es immer mehr, heute sind wir bei ca 250.

kathrinsgarten: Wer kann mitmachen, gibt es „Bewerbungskriterien“?

Svenja: Mitmachen kann jeder, der Lust hat, seinen Garten zu zeigen, der ein bisschen was dazu erzählen kann, der es mag, wenn viele Leute kommen. Es gibt keine Bewertungskriterien, denn wer will sich anmaßen zu sagen „Dieser Garten ist schön, der darf mitmachen und dieser nicht“?! Die Gärten sind sehr unterschiedlich, im Gartenführer und im Internet sind die Gärten und auch die Aktionen, die in manchen Gärten angeboten werden ausführlich beschrieben, so dass sich der Besucher ein Bild machen kann, was ihn erwartet.

kathrinsgarten: Zum Haupt-Öffnungswochenende immer am 3. Juni-Wochenende kommen inzwischen noch weitere Termine, zu denen Gartenbesitzer ihre Pforten öffnen. Wie hat sich das entwickelt?

Svenja: Es gab bei Besuchern und auch bei den teilnehmenden Gartenbesitzern den Wunsch, auch zu anderen Zeiten in Gärten gucken zu können. So entstanden die Offenen Sonntage: Immer am ersten Sonntag im Monat (von Mai bis Oktober) sind viele Gärten geöffnet, das ist schön, weil ja z.B. ein Gräsergarten besser im Herbst zu besuchen ist. Manche Gärten bieten Extra-Öffnungszeiten an, so ist z.B. ein Tagliliengarten Mitte Juli geöffnet. Viele Gärten nehmen auch an der „Langen Nacht der Gärten“ teil und öffnen dann bis 23 Uhr, das ist dieses Jahr am 4. August. Andere wiederum bieten Öffnung nach Verabredung an, das zu nutzen empfehle ich sehr.

kathrinsgarten: Auf eurer homepage ist zu lesen, der „Offene Garten“ ist kein Wettbewerb. Es werden also keine perfekten Gärten erwartet. Durch meine Gartentouren kenne ich viele wunderschöne Gärten, deren Besitzer sich dennoch scheuen, ihren Garten öffentlich zu zeigen. Wie könnt ihr diese Gärten gewinnen?

Svenja: Ein Garten ist ja etwas sehr Persönliches. Die Entscheidung, fremde Leute in den eigenen Garten zu lassen, muss jeder selber treffen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Besucher wirklich sehr vorsichtig sind, es ist keinesfalls so, dass hinterher alles abgebrochen und platt getreten ist. Aber ich kann gut verstehen, wenn jemand einen tollen Garten hat und den nicht öffnen möchte. Allerdings kenne ich auch viele Gartenbesitzer, die denken, ihr Garten sei vielleicht nicht schön genug – und diese Sorge möchten wir den Menschen gerne nehmen. Ein Offener Garten muss wirklich nicht perfekt sein, er muss gelebt und geliebt sein, das ist viel wichtiger. Also, liebe Gartenbesitzer, trauen Sie sich, wir freuen uns auf Sie!

kathrinsgarten: Garten ist, nicht nur zu meiner großen Freude, seit mehr als 20 Jahren ein großes Thema. Immer mehr Gartenmagazine kommen auf den Markt, die Besucherzahlen der Gartenfestivals steigen weiter, Urban Gardening ist ein großes Thema, der Schrebergarten, der in meiner Jugend als Ausdruck größtmöglichem Spießertums galt, erlebt in den Städten ein Comeback. Was ich super finde! Wie siehst du die Entwicklung des „Gartens“? Ist das nur eine Zeitgeist-Welle, die wieder abflacht? German lifestyle des neuen Jahrtausends? Oder knüpfen wir dauerhaft an die Gartenkultur, die es ja nicht nur in England, in den Niederlanden, Belgien und Frankreich, sondern auch in Deutschland gibt?

Svenja: Sicher ist Garten ein Trend, passend zu Cocooning (es sich zuhause schön machen), hygge und Gesundheit… Je unsicherer die Zeiten sind, desto mehr Menschen finden ihr Glück im eigenen Garten, würde ich sagen. Dass dieser Trend wieder abflacht glaube ich erstmal nicht. Im Moment boomt das Thema Gemüse, Selbstversorgung und Wildkräuter, was sicher den vielen Lebensmittelskandalen zu verdanken ist. Nein, ich glaube, Garten wird auch weiterhin ein Thema sein.

kathrinsgarten: Wo siehst du den „Offenen Garten“ in 10 Jahren?

Svenja (schmunzelt): erstmal gibt es im nächsten Jahr ein Jubiläum, das soll mit besonderen Aktionen begangen werden und endlich, endlich wird es eine neue, modernere Homepage geben. Darüber freue ich mich sehr. Und in 10 Jahren – Sicher wird die Zahl der Gartenbesitzer, die ihren Garten öffnen schwanken, junge Leute, Gemüsegärten, Stadtgartenprojekte, Initiativen werden dazukommen……ältere Gartenbesitzer geben ihre Gärten auf, da wird sich viel verändern. Im Organisationsteam werden sich sicher auch jüngere Menschen engagieren, neue Technik und Ideen mitbringen, ich bin gespannt und freu mich drauf. Über Anregungen und Ideen freuen wir uns immer!

kathrinsgarten: Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit der Aktion! Herzlichen Dank für die jahrelange gute Organisation. Ich wünsche allen Teilnehmern, die ihren Garten öffnen, nette Gartenbesucher und Gespräche, allen Gartenbesuchern viel Freude und Vergnügen!

Svenja: Danke für Dein Interesse!

 

Das Organisationsteam vom Offenen Garten: von links, obere Reihe: Svenja Schwedtke, Ljiljana Ehler, Fenna Graf. Untere Reihe: Maike Heinatz und Melitta Kolberg

Offener Garten 2018 im Überblick:
Aktionswochenende (Öffnung aller Gärten):

16./17. Juni 2018

Zusätzliche offene Sonntage (Öffnung zahlreicher Gärten):

6. Mai

3. Juni

1. Juli

5. August

2. September

7. Oktober

Viele Gärten bieten auch einen Abendbesuchstermin (Lange Nacht der Gärten) an: Samstag 4. August 19-23 Uhr

Der Gartenführer im Taschenformat wird gegen einen Unkostenbeitrag in Höhe von 1,- Euro (in Briefmarken) sowie einem mit 1,45 Euro frankierten Rückumschlag von den Organisatorinnen verschickt.
Bestelladresse: Aktion „Offener Garten“, Lindenweg 4, 23730 Hermannshof.

Weitere Infos und zahlreiche Gartenfotos auf www.offenergarten.de

Offene Gartenpforten gibt es inzwischen in vielen Ländern. Auch in deiner Nähe? Besuchst du Offene Gärten, oder zeigst du sogar deinen Garten? Ich freue mich von dir zu hören!



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