Blackbox-Gardening – Der neue Trend!

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Eine Buchvorstellung

 

Der Buchtitel macht neugierig, was steckt hinter diesem Trend? Im Vorwort werden die neuen Gärten mit ihrer Sterilität angezweifelt, „Natur“ finde nur noch in Nationalparks und geschützten Biotopen statt. Wer sich in Neubaugebieten umschaut, wird diese Entwicklung schnell erkennen. Wie kann Blackbox-Gardening das ändern?

 

Definition Blackbox-Gardening:

…ist eine Philosophie, die sich vom traditionellen Gärtnern unterscheidet. Es geht auch hier um Gestalten und Pflegen von Gärten. Beide Aspekte sind stark miteinander verbunden.

…es wird mit der Natur und nicht gegen sie gearbeitet

…Dynamik und Zufall nehmen eine bedeutende Rolle ein

…das wesentliche Merkmal ist die Verwendung von sich versamenden Pflanzen

Was ist eine Blackbox?

Der Begriff „Blackbox“ kommt aus der Psychologie und wird in Anlehnung an John B. Watson (amerikanischer Psychologe, der von 1878-1958 lebte) so erklärt: Sie ist das Modell eines Systems zur Verarbeitung von inneren und äußeren Reizen, ein Kasten, der zwar Eingang (Input) und Ausgang (Output) besitzt, dessen Innenleben aber im Dunklen liegt.

Werden im Garten natürliche Prozesse zugelassen, können zwar die örtlichen Gegebenheiten wie Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, Feuchtigkeit des Bodens ermittelt werden. Es können Pflanzen und Saatgut so gewählt werden, dass sie zu diesen Gegebenheiten passen, letztendlich kann nicht vorhergesehen werden, welche Pflanze, welcher Sämling an welcher Stelle und in welchem Umfang sich dauerhaft ansiedeln wird. Die Einflussgrößen sind zu vielschichtig.

Beim Blackbox-Gardening gibt es zu Anfang, ähnlich, wie bei der konventionellen Gartenplanung, eine Vorstellung, wie der Garten sich entwickeln und wie er aussehen soll.

Es werden sogenannte Initialpflanzen gepflanzt und Saaten ausgebracht, die durch ihre Abkömmlinge (Sämlinge) sich mit der Zeit einen endgültigen Standort aussuchen. So entsteht eine Bepflanzung, wie von Zauberhand, die nur dann durch das Eingreifen des Gärtners reguliert wird, wenn sich einige Vertreter zu sehr breit machen.

Blackbox-Gardening ist also ein Zulassen von Aussaaten. Je artenreicher die Beetgestaltung und je konkreter die Gestaltungsziele sind, desto mehr Aufwand bedeutet das dann für den gärtnerischen Einsatz zum Beispiel im Frühjahr, wenn dann Sämlinge gejätet werden müssen.

Blackbox-Gardening ist im eigentlichen Sinne keine Neuerfindung, sondern eine Verknüpfung von gestalterischen und philosophischen Ansätzen. Dieser führt zu neuen äußerst dynamischen und lebendigen Gärten.

Das Spanische Gänseblümchen (oben, Erigeron karvinskianus), bestens geeignet für Blackbox-Gardening

Die Vorteile

Wer seinen Garten bisher „konventionell“ geplant hat und auch in diesem Sinne pflegt, der fragt sich natürlich, warum soll ich das jetzt ändern? Die Anhänger von Blackbox-Gardening geben einige Gründe zu bedenken und stellen vor, für wen sich diese Art zu Gärtnern lohnt:

… Ungeduldige: Die Ergebnisse sind schnell sichtbar, viele der ausgesuchten und noch vorgestellten Pflanzen blühen bereits im ersten Jahr und bleiben dauerhaft im Garten erhalten.

… Farbenfroh und blütenreich: Eine andere Gruppe der geeigneten Arten sind von kurzlebiger Natur, d.h. sie sind ein-oder zweijährig und daher darauf angewiesen, sich üppig zu vermehren. Das geht in der Natur nur über eine reiche Samenproduktion und die setzt eine gewaltige Blütenpracht voraus!

… Blackbox-Gardening als Naturerlebnis: Die natürlichen Lebenszyklen können hautnah mit erlebt werden. Keimen, Heranwachsen, Blühen, Fruchten, Versamen und Vergehen.

… Eine ausufernde Wildnis wird durch Hinzufügen von Arten und durch das Jäten von überzähligen Pflanzen nach ästhetischen Kriterien gestaltet.

… Eine Kombination von traditionellem Gärtnern und Blackbox-Gardening ist möglich. Beide Ansätze verstärken sich.

… Blackbox-Gardening ist überall möglich, in gewachsenen Gärten und Neuanlagen, in Mauerritzen, auf dem Balkon, in Gehwegfugen, …

… Die Überraschungseffekte sind der große Pluspunkt. Da kein Beetplan ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten lässt, gibt es keine Enttäuschungen. Die Begeisterung über Unerwartetes ist hoch!

… Blackbox-Gardening ist gegenüber der konventionellen Gartengestaltung deutlich preiswerter. Es werden nur wenig Initialpflanzen benötigt. Saat ist preisgünstiger.

… Ob Anfänger oder langjähriger Gartenfreund, es sind wenig Vorkenntnisse nötig, um ein guter Blackbox-Gardener zu werden.

Dungeness – ein natürlicher Blackbox-Garden

Ein natürliches Vorbild für das Blackbox-Gardening ist die Halbinsel Dungeness (Fotos oben) in der englischen Graftschaft Kent, die in den Ärmelkanal ragt. Der Untergrund der Halbinsel besteht aus Kieselsteinen, zwischen denen sich nur eine kleine Menge an Humus ansammeln kann.

Das Klima ist sehr mild, geringe Niederschlagsmengen von ca. 625 mm pro Jahr und die schlechte Wasserspeicherfähigkeit lassen keine Bäume und Sträucher dort wachsen. Der Bewuchs gleicht beinahe dem einer Wüste. Die Pflanzen, die sich unter diesen naturgegebenen schlechten Bedingungen trotzdem ansiedeln, müssen in der Lage sein, Feuchtigkeit aus dem Nebel und der salzhaltigen Gischt aufzunehmen und zu speichern.

Diese Bedingungen haben auf Dungeness eine einmalige Flora entstehen lassen, auf knapp 20 km² wachsen ca. 600 Spezies, das sind gut 1/4 der in England vorkommenden Arten.

Die Winter sind mild und so halten sich auf Dungeness auch Arten, die man an einem so unwirtlichen Ort nicht vermuten würde:

Meerkohl, der gewöhnliche Natternkopf, Orientalische Schwertlilie (sonst Nordost Griechenland und Türkei), gelber Hornmohn, Färber Wau (sonst Westasien und Mittelmeergebiet), Purpur-Fingerhut, Löwenmaul, Breitblättrige Platterbse (sonst Südeuropa), Fackellilien, weiße Fetthenne, deren Blätter sich durch die salzige Luft und die Trockenheit rot färben, Schlafmohn, Spornblume, Heiligenkraut.

Dungeness gilt als der größte Kiesgarten der Welt.

Blackbox-Gardening eignet sich für alle Bodentypen, für den Kiesgarten, Fugen und Splittbeete und für Blumenbeete mit „normaler“ Gartenerde. Es gibt Pflanzen für sonnige Staudenbereiche, ebenso wie für Halbschatten und Schatten.

Geeignete Pflanzen für das Blackbox-Gardening:

Es wird unterschieden zwischen Initialpflanzen und Samen:

Initialpflanzen sind Mutterpflanzen, die ihre Samen in den Garten streuen sollen. Also in der Regel Stauden in Töpfen, die sich prima versamen. In der im Buch aufgeführten Liste werden einige Stauden, Ein-und Zweijährige sowohl als Initialpflanze, wie auch als Saat empfohlen.

Dazu gehören: Frauenmantel, Spornblume, Edeldistel, Walzenwolfsmilch, Korsischer Nieswurz, Stockrose, Spanische Gänseblümchen, Gaura, verschiedene Gräser, Verbena bonariensis/Patagonisches Eisenkraut, Allium in Sorten, Akelei, Garten-Melde, Pfirsichblättrige Glockenblume, Fingerhut, Euphorbien/Wolfsmilch, Fenchel, Indianernessel, Vergissmeinnicht, Jungfer im Grünen, Schlaf-Mohn, Rudbeckia triloba, Salbei, Vexiernelke, Pechnelke, Verbascum.

Waltham Place

Kurz möchte ich den seit 1910 in Familienbesitz befindlichen Garten, der in der Nähe Londons liegt, vorstellen.

Die heutigen Besitzer Nicky und Strilli Oppenheimer wollten ihr Landgut zu einem biologisch-dynamischen Betrieb umwandeln. Strilli Oppenheimer war 1999 schon eine passionierte Hobby-Gärtnerin, als sie den Niederländer Henk Gerritsen kennenlernte. Ihn und sein Buch „Gartenmanifest“ habe ich bereits hier vorgestellt.

Henk Gerritsen gehörte der „Dutch Wave“-Bewegung an, die sich in den 1980-er Jahren entwickelte. Seine Leitidee war die naturnahe Pflanzung, wie sie auch von Piet Oudolf und weiteren niederländischen Gartengestalter vertreten wird. Die bis dahin gärtnerische Praxis, alles, was nicht mehr in Blüte steht, abzuschneiden, wurde über Bord geworfen und Samenständen und vertrocknete Pflanzen in die Gestaltung mit einbezogen.

Feinfühlig erarbeitete Gerritsen ein Konzept und fügte dieses in den historischen Rahmen der Gartenanlage Waltham Place ein. Beim „Working with Nature“ nehmen versamende Pflanzen einen hohen Stellenwert ein. Der Rahmen aus Mauern, Hecken, Formgehölzen, Plätzen und Wegen bildet einen großen Kontrast, der den Reiz des Ganzen ausmacht. Nach Gerritsens Tod 2008 kümmert sich ein Gärtnerteam um die Umsetzung der Gestaltungsideen.

Blackbox-Gardening in der Praxis – mein kleines Fazit

Wer sich auf das Thema Blackbox-Gardening einlässt, der wird schnell feststellen, dass diese Art zu Gärtnern schnell eine gewisse Dynamik entwickelt. Das wirft die Frage auf, ob sich diese Dynamik bändigen lässt? Auch hierauf geht das Buch ein.

Viele Faktoren spielen beim Blackbox-Gardening eine große Rolle, das Bild ändert sich jährlich. Die zufällige Verteilung der Saaten ergibt neue Gartenbilder, was sicherlich reizvoll ist.

Im Herbst geht es um die Frage, den Garten auf- bzw. abräumen. Sprich Verblühtes abschneiden oder stehenlassen?

Wer in seinem Garten die Stauden zurückschneidet, weil er im Herbst/Winter „fertig“ sein möchte oder weil er viele Frühlingsblüher hat, für den eignet sich das Blackbox-Gardening eher nicht. Das Versamen klappt nun einmal nur, wenn die Saat stehenbleibt.

Natürlich ist es auch Ansichtssache, ob braune Samenstände nun schön sind oder nicht. Im Winter hat das „Stehenlassen“ an frostigen Tagen absolut seinen Reiz! Wer, wie ich an der Nordseeküste lebt, hat immer mit Stürmen im Winterhalbjahr zu tun. Die schaffen schnell mal ein Bild, welches die Bezeichnung „schön“ nicht mehr verdient – aber auch das ist Natur!

Ein wenig Blackbox-Gardener steckt mit Sicherheit in uns allen, denn ich bin mir sicher, dass auch du einige der genannten Pflanzen bei dir im Garten hast und deren Selbstaussaat begrüßt.

Wer sich für dieses Thema interessiert, ist mit diesem Buch super gut beraten. Die Autoren Jonas Reif, Chefredakteur der Zeitschrift „Gartenpraxis“ und Christian Kreß, Inhaber der Gärtnerei „Sarastro-Stauden“ in Oberösterreich lassen uns teilhaben an ihrem fundiertem Wissen über Blackbox-Gardening. Alle Begriffe sind gut erklärt, die vorgestellte Pflanzenauswahl macht Freude und Lust auf Ausprobieren. Die wundervollen Fotos von Jürgen Becker halten mich kaum in meinem Lese-Sessel… Raus und los geht`s…

„Blackbox-Gardening“ ist 2014 im Ulmer-Verlag erschienen, 188 Seiten mit 221 Farbfotos von Jürgen Becker und kostet € 29,90

Hast du schon Erfahrungen mit Blackbox-Gardening gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar!



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