Wunderschön – Hortensien

Ein Pflanzenportrait

 

Bauernhortensie-Hydrangea macrophylla

In diesen Tagen verzaubern blühende Hortensien die Gartenliebhaber/innen in großer Vielfalt. Sie haben daher als farbenprächtige Spätsommerblüher mit einer Blütezeit von Ende Juni bis Oktober einen Platz in unseren Gärten verdient.

 

 

Neben der Garten-oder Bauernhortensie (Hydrangea macrophylla) haben die vielseitig einsetzbare Kletter-Hortensie (Hydrangea petiolaris), die attraktiven Großblatt-und Samthortensien, die Baum-Hortensie (Hydrangea arborescens) und die Rispen-Hortensie (Hydrangea paniculata) einen hohen Zierwert.

Die Garten-oder Bauernhortensie (H. macrophylla) ist die bekannteste Hortensienart mit ihren ball-oder tellerförmigen Blüten. Sie ist erhältlich in vielen Sorten, die in verschiedenen Farben von weiß über rosa, rot und blau am 2-jährigen Holz blühen. Es werden also nur zu dicht stehende Triebe und erfrorene Spitzen im Frühjahr abgeschnitten. Höhe und Breite: 1-3 m.

Baumhortensie-Hydrangea arborescens „Strong Annabelle“: zart-grüner Blütenauftakt, die vollentwickelte Blüte strahlt in reinem Weiß

Die Baumhortensie (H. arborescens z.B. Sorte „Annabelle“ oder die neuere und verbesserte Sorte „Strong Annabelle“ oder „Incrediball“). Die neue Sorte muss nicht gestützt werden, sie knickt nicht ab! Sie wird durch einen starken Rückschnitt (es bleiben nur 15-20 cm von der gesamten Pflanze stehen, mehr nicht!) im April zum Neuaustrieb gebracht und blüht am diesjährigen Holz. Die weißen Blüten haben die Größe eines ausgewachsenen Fußballs. Unverzichtbar – kaufen! Inzwischen gibt es die einfache „Annabelle“ auch rosa blühend, diese Sorte heißt „Invincibelle“. Höhe und Breite aller Baumhortensien: 1,50-3 m.

Rispenhortensie-Hydrangea paniculata „Pinky Winky“

Die Rispen-Hortensien H. (paniculata) wird zunehmend gerne gepflanzt. Jedes Jahr kommen neue Sorten auf den Markt. Auch sie blüht am diesjährigen Holz und wird im April zurück geschnitten, jedoch nicht soweit, wie die die Hydrangea arborescens. Also, nur das Verblühte vom Vorjahr und hier und da ein wenig mehr. Hier sind die Blüten mit einer Länge von 20-35 cm nicht ballförmig, sondern rispenartig, oder leicht kegelförmig. Diese Art blüht auch in den Farben „weiß“ und „rosa“, bei der Sorte „Limelight“ wechselt die Farbe von weißlichgrün auf hellgrün. Andere Sorten weisen ebenfalls schöne Farbverläufe auf. Sehr empfehlenswert! Man braucht allerdings etwas Platz für sie: 1,50-4,00 m in Höhe und Breite, je nach Sorte. Für die Kübelpflanzung oder kleinere Gartensituationen sind auch „Zwergformen“ erhältlich. Diese werden ca. 1 m hoch und breit.

Die Riesenblatthortensie (H. aspera) mit flachen Blütenschirmen in rosalila wird 2-3,50 m hoch und breit.

Die Samtblatthortensie (H. sargentina) ebenfalls in flachen Blütenschirmen in helllila bis hellviolett blühend. Höhe und Breite: 2,5-3,50 m.

Die Kletterhortensie (H. petiolaris) kommt aus den Wäldern Japans, Taiwans und Koreas. Ein Kletterstrauch, der auch auf dem Boden kriecht. Diese Hortensienart wächst sehr dicht und deckt zusammenhängende Flächen ab. Sie wächst mit Haftwurzeln an Bäumen oder Mauern, ist leicht schlingend. Die Kletterhortensie wird 10-15 m hoch, freistehend entwickelt diese Art 1,50 m hohe dichtbuschige Sträucher. Die flachen weißen Schirmrispen mit einem Kranz weißer steriler Randblüten duften süßlich bis zitronig von Juni bis Juli. Als Waldpflanze liebt sie sonnig bis schattige kühle und feuchte Lagen.

Die Eichenblatt-Hortensie (H. quercifolia) bildet einen breitbuschigen Strauch bis 1,70 m Höhe. Die lockeren Blüten-Rispen mit einer Länge von 10-25 cm in creme-weiß. Die Blätter erinnern an Eichenlaub, sind allerdings mit fast 20 cm Länge deutlich größer. Sie weisen eine prachtvolle Herbstfärbung auf.

Alle Hortensienarten vertragen bei Bedarf einen starken Rückschnitt. Je nach Art muss man dann mit einem Jahr Blühpause rechnen. Man erhält jedoch einen kompackten Strauch, der in den Folgejahren wieder Blüten hervorbringt.

Abenteuerliche Wege

Die Hortensienarten und Sorten, die wir heute in unseren Gärten umhegen, sind unter abenteuerlichen Umständen aus ihren Herkunftsländern aus Ost-und Südostasien, aus Nordamerika und den Anden und aus dem südlichen Chile nach Europa gekommen. Kej Hielscher und Renate Hücking beschreiben in ihrem Buch „Pflanzenjäger“ sehr interessant diesen Weg. Philipp Franz von Siebold (1796-1866) ist im Jahre 1823 über Rotterdam auf die Insel Java gekommen und hat mit Hilfe seines Expeditionsteams zahlreiche Pflanzengattungen zusammengetragen. Darunter auch die blaue Hortensie Hydrangea macrophylla „Otaksa“, nach seiner Kurtisane Otaki Kusumoto, benannt. Diese Pflanzen wurden nach reichlicher Akklimatisierung in Leiden in den Niederlanden ab etwa 1835 weiter kultiviert und fanden ihren Weg in Europas Gärten.

Hortensien-nice to know!

Die Hortensien (Hydrangea) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae).

Das griechische Wort „Hydrangea“ setzt sich zusammen aus „hydor“ = Wasser und „angeion“ = Gefäß.

Hortensien sind meist sommergrüne, aufrecht wachsende, schattenverträgliche Sträucher oder Kletterpflanzen. Es gibt etwa 80 Arten der Gattung Hydrangea. Jede dieser Arten bringt unzählige Sorten hervor, die stets verbessert werden. Augenblicklich geht die züchterische Entwicklung dahin, eine möglichst lange Blütezeit zu bekommen. So gibt es Sorten, die eine Blütezeit von 150 Tagen garantieren.

Wichtige Merkmale sind die gegenständigigen Blätter und vor allem die dekorativen Blütenstände, bei denen es im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte zu einer Arbeitsteilung gekommen ist. Im Inneren der endständigen Rispen oder Schirmrispen befinden sich kleine fruchtbare Blüten. Der Rand ist besetzt mit sehr dekorativen, aber sterilen Blüten, die durch blütenblattartige Vergrößerung der Kelchblätter entstanden sind. Bei den ballförmigen und großrispigen, den sogenannten „gefüllt-blühenden“ Gartenformen, überwiegen die sterilen Blüten.

Alle Hortensien bevorzugen einen nicht zu trockenen, eher frischen, schwach sauren Boden mit pH- Wert 5,5 bis 6.

Um bei den Garten-oder Bauernhortensien in Freiland-oder Kübelpflanzen die vielfach ersehnte, hell enzianblaue Blütenfarbe zu erreichen, muss zunächst der Boden sauer sein, d.h. der pH- Wert sollte bei 4,5 liegen. Für die blaue Farbe ist vor allem die Konzentration von verfügbaren Aluminiumionen verantwortlich. Will man die Färbung verstärken, können die Pflanzen mit Ammoniakalaun oder Aluminiumsulfat (3 g pro Liter Wasser) 1 x wöchentlich gegossen werden. Die Behandlung sollte 4-5 x während des Blütenansatzes erfolgen. Allerdings lassen sich nicht alle Sorten blau färben.

Die Eselsbrücke „GAS“ hilft, mit dem „Gärtner-Latein“ klar zu kommen: „G“ für Gattung (Hydrangea), „A“ für Art (arborescens) und „S“ für Sorte („Annabelle“), diese wird in Anführungsstrichen genannt.

 

Hortensienklau?!

Nicht wenig Gartenfreunde klagten in den letzten Jahren darüber, dass im Frühjahr an ihren Bauernhortensien die Blütenknospen „geklaut“ werden. Sollten etwa schlecht informierte Zeitgenossen die Knospen abknipsen, weil sie meinen, daraus ließe sich ein Cannabis-ähnlicher Wirkstoff herstellen?

Sie wären schlecht beraten! Es gibt Ärzte, die das Rauchen der Blütenknospen als gefährlich einstufen, denn der entstehende Rauch enthalte Blausäure. Doch die Experten sind sich nicht einig, das Giftinformationszentrum Nord nennt keine Fakten, die darauf schließen lassen.

Die Meldungen über abhanden gekommene Blütenknospen verebben. Scheinbar lässt sich aufgrund der fehlenden Rausch-Wirkung kein Geld damit verdienen. Wie schön für den Gärtner in uns, so können wir uns ungeniert unserem Rausch hingeben – dem Blütenrausch!

Der Artikel ist in leicht gekürzter Version im Magazin nordLIFE von Boyens Medien erschienen.

 

 



2 Gedanken zu „Wunderschön – Hortensien

  1. Was für ein toller Artikel über die Hortensien. Ich bin eigentlich schon sehr gut in diesem Bereich informiert, aber ab und an erfährt man doch nochmal etwas Neues. Z.B. der Knospenklau war mir nicht bekannt. Bei mir blühen die meisten Hortensien aber auch hinter dem Haus, da wäre ein Diebeszug schon sehr vermessen 🙂 . Vielen Dank für diesen schönen Post. LG Marion

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