Gartenkolumne: Fifty Shades of Green

 

Fifty Shades of Green übernehmen ab Juli gerne die Hauptrolle…

 

Verehrte Leserin und verehrter Leser! In dieser Kolumne wird es schmutzig! Es kommen Fakten auf den Gartentisch, die einmal klargestellt werden müssen!

Nichts für zarte Gemüter!

 

Doch, doch, Sie haben ganz richtig gelesen, gewissermaßen geht es in Anlehnung an die erotische Roman-Triologie der britischen Autorin E. L. James um Sex, Erotik und Sadomaso im Garten. Nur, dass der „Mr. Grey“ der Gartenliebhaberinnen (oder des Gartenliebhabers) ein „Mr. Green“ ist…

Die international bekannte Landschaftsarchitektin Gabriella Pape hat 2008 in Berlin-Dahlem die Königliche Gartenakademie auf dem Gelände der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt eröffnet. Seitdem verführt sie Kunden zu grünen Abenteuern.

2009 war in „Welt online“ unter der Rubrik „Lifestyle“ ein Interview mit der vielversprechenden Überschrift „Gabriella Pape macht Gärtnern wieder sexy“ zu lesen. Der Ausspruch „Gärtnern ist sexy“ stamme von einem Engländer, ist im Interview zu lesen, „weil sich damals alle aufs Gärtnern stürzten“… Frau Pape hatte einige Jahre in England – im Mutterland der Gartenkultur – gelebt, studiert und gearbeitet und musste es also wissen. Zahlreiche Preise hatte sie gewonnen, darunter auch die Silbermedaille auf der Chelsea Flower Show für einen Senk-und Staudengarten.

Und nun frage ich Sie! „Gärtnern ist sexy“ – darf man das sagen? Mir persönlich ist „sexy“ viel zu platt, zu flüchtig, zu oberflächlich. Ich würde von Erotik sprechen, denn sinnlich ist das Gärtnern auf jeden Fall! Und so was von schmutzig! Was meinen Sie, wie ich aussehe, nach einem Tag voller Gartenleidenschaft! T-Shirt, Hose, Arme, Beine, Fingernägel: allns scheun schieddich! – Spiel nicht mit den Schmuddelkindern…

Und: Sadomaso ist IMMER ein Thema beim Gärtnern. Was meinen Sie denn, was ich mit den Schnecken mache? Oder mit meinen Wühlmäusen, wenn ich sie denn kriegen würde? Und bekennende Masochistin bin ich als aktive Gärtnerin sowieso. Wie würden Sie es sonst nennen? Ich habe mich in den ersten drei Jahren in meinem neuen Garten auch bei weit über 25°C durch mein Unkraut gekämpft. Wo doch meine optimale Betriebstemperatur bei 18-22°C liegt!

Vom Rücken wollen wir gar nicht reden. Die Gärtnerin HAT KEINEN RÜCKEN! Ich bete jedes Mal, wenn ich mich aus stundenlang gebückter oder hockender Position im Schneckentempo wieder in die Vertikale bewegen möchte, dass kein Nachbar aus seinem Fenster schaut…

Nach der Rosenblüte wird es stiller in meinem Garten. Die lauten Töne verabschieden sich und es kehrt eine gewisse Ruhe ein, bevor der Herbst noch einmal mit einem bombastischen Farbspiel auftrumpft. Dann treten die „Fifty Shades of Green“ in Aktion und DAS ist eigentlich die Geschichte, die ich loswerden wollte. Wie konnte ich nur so abschweifen?

Die Zeit der Blattschmuckstauden bricht an. Die Blütezeit von Rosen, Ziersträuchern und Stauden ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, begrenzt. Stauden mit schönem Laub haben immer einen hohen Zierwert, sie sind schon im Austrieb ein Hingucker. Bis in den Winter erfreuen sie uns mit ihren schönen Blättern in allen erdenklichen Grüntönen, aber auch in Gelb-und Rottönen. Ich denke an Hosta/Funkien, an das Kaukasus-Vergissmeinnicht, an Purpurglöckchen, Bergenien, Farne, Tafelblatt, Haselwurz, Schlangenbart…

Es geht um Blattform und Struktur, um Blattbeschaffenheit. Haben Sie schon einmal die Blätter von Stachys byzantina, oder profan: „Wollziest“ in den Fingern gehabt? Sie fühlen sich wie „Hasenohren“ an, daher wird diese graulaubige Staude auch so genannt.

Na, da sind wir doch wieder beim Sinnlichen…

 

Im Rahmen meiner Gartentour „Ich hab`noch einen Garten in Berlin“ vom 07.-09. Juli 2015 haben wir die Königliche Gartenakademie besucht.

Meine Kolumne ist im Magazin nordLIFE von Boyens Medien erschienen am 26.08.2017.



4 Gedanken zu „Gartenkolumne: Fifty Shades of Green

  1. Das hast Du sehr schön beschrieben! Ich habe mich zu 100% wieder erkannt! Seit ich allerdings regelmäßig zur Wirbelsäulengymnastik gehe, trotz mein Rücken den Belastungen ganz gut!
    Viele Grüße von Margit

    • Kathrin Kock sagt:

      Liebe Margit,

      vielen Dank! Ja, die Gärtnerin/der Gärtner muss schon etwas zusätzlich zum Gärtnern tun. Besonders, wenn es nach einem langen Winter wieder losgeht…Ich schwöre seit Jahren auf Pilates 😉
      Aber ab und an habe ich trotzdem meine Probleme beim Aufrichten…

      Bleib gesund und munter!

      Schönen Sonntagabend und liebe Grüße

      Kathrin

  2. Deine Text hat mich förmlich mitgerissen und man erkennt sich als Gärtnerin wirklich fast zu 100% wieder! Schön, dass ich auf deinen Blog gestoßen bin, da werde ich öfters mal vorbeischauen. LG Marion

    • Liebe Marion,

      herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar!

      Habe dir gerade – leider unter Zeitmangel – einen Gegenbesuch abgestattet und mich über deine wahnsinnig tollen Fotos gefreut. Auch ich werde öfter bei dir vorbeischauen!

      Einen guten Wochenstart wünsche ich dir!

      Kathrin

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