Fein ausgeheckt!

Berühmtes Eiben-Hecken-Rondell im Garten Sissinghurst/Großbritannien

Ein Garten ohne Hecke? Für die meisten Gartenbesitzer gehört der grüne Zaun unbedingt dazu. Wie aber hat sich diese Art der Abgrenzung entwickelt? Eine Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung und viele Ideen für künftige Heckenstars…

 

Mit dem Namen oder Begriff „Hecke“ verbinden wir eine größere Anzahl gleicher, oder auch unterschiedlicher Gehölze, die in Reihe gepflanzt werden, gut verzweigt sind und ineinander wachsen. Durch Schnittmaßnahmen werden diese in eine gewünschte Höhe und Breite gebracht. Ursprünglich stammt das Wort „Hecke“ von der althochdeutschen Bezeichnung „hegga“ ab. Hiermit wurde die Abgrenzung einer Ansiedlung oder einer Ortschaft durch hohe Sträucher gemeint.

Das „umheckte“ Gebiet wurde auch „Hag“ genannt. Die Begriffe „hegga“ und „Hag“ lassen sich zurückführen auf den althochdeutschen Wortstamm „hag“. Wir kennen heute noch Ortsnamen in Ländern mit westgermanischer Sprache, wie zum Beispiel die Städte Hage (Niedersachsen), Hagenow, Stadthagen, Hagen, Hagenbach oder Den Haag.

Die Aufgabe der „Urhecke“ war die Abtrennung von ganzen Landschaftsgebieten von der weiteren Umgebung. Diese unbeschnittenen Hecken prägten die Landschaft.

Im Mittelalter ging man von der Zweifelder-zur Dreifelderwirtschaft über. Hier wurden Hecken als Umzäunung des Ackerlandes gepflanzt.

Hecken wurden ebenfalls zur Futtergewinnung geschneitelt oder wurden niederwaldartig bewirtschaftet. Schneiteln ist das Runterschneiden der Äste und Zweige, wie wir es von den Kopfweiden kennen. Wenn die Baumarten der Hecke es erlaubten, wurden Hecken auch zur Gewinnung von Gerberlohe genutzt. „Gerberlohe“ bedeutet zum Gerben verwendete Rinde oder Blätter. „Lo“ bedeutet abreißen, schälen oder löchern.

Besonders eignen sich hierfür Eichen, die sehr viele Gerbstoffe haben. Die Hecken der damaligen Zeit wurden intensiv genutzt, daher wurden sie sehr stark zurückgeschnitten, „auf den Stock gesetzt“, wie man heute immer noch sagt. Sie trieben so besonders stark aus und erzeugten viel Pflanzenmasse. Kleine Wälder wurden angelegt, um Gerberlohe zu gewinnen, sie hießen „Lohwälder“.

Diese bäuerlichen Kultivierungen lassen sich an verwachsenen Schneitelbäumen, die wie Kopfweiden aussehen, bis heute finden. In Teilen Rumäniens oder dem Südosten der Türkei wird Schneitelwirtschaft bis heute betrieben.

Im Westen Deutschlands werden im Volksmund teilweise auch Niederwälder als „Hecken“ bezeichnet. In historischen Schriftstücken stößt man ebenfalls auf Ausdrücke wie Lohhecken, Rodhecken, Kohlhecken und Backes-Heck. Im Raum Birkenfeld (Hunsrück) wurden Forstbetriebe, die Niederwälder bewirtschafteten, „Heckengesellschaften“ genannt.

Gegen Ende des Hochmittelalters bis in die Neuzeit wurde den Hecken die größte Bedeutung zugemessen, denn es gab wenig andere Möglichkeiten, das eigene Land einzugrenzen. Die Hecke stellte die Besitzverhältnisse klar, diente als Umzäunung für Vieh und als Schutz vor menschlichen und tierischen Eindringlingen.

Im 17. Jahrhundert wurden im Monschauer Land in der Nordeifel meterlange und hohe Hecken aus Buchen zum Schutz gegen die rauhen Winde gezogen. Ein Weg durch den Ort Höfen zeigt diese eindrucksvollen bis zu acht Meter hohen Hecken.

Inzwischen fallen Nutzungen von Hecken wie das Schneiteln und Loh-und Brennholzgewinnung zumindest in den Städten weg. Die heutigen Hecken erfordern regelmäßigen Schnitt, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können.

In Schleswig- Holstein spielen Wallhecken, oder Knicks eine große Rolle. Sie sind jahrhundertealtes gesetzlich geschütztes Kulturgut. In Norddeutschland entspricht die Gesamtlänge aller Knicks dem Erdumfang des Äquators. Auf der Geest und im Hügelland grenzen Knicks landwirtschaftlich genutzte Flächen ab. Flächen in der Marsch werden durch Gräben abgegrenzt. Die sogenannte Knick-Pflege spielt immer noch eine große Rolle. Brennholz ist wieder sehr begehrt. Die Pflege der Knicks ist notwendig, durch den heute meist maschinellen Schnitt, wird der Aufwuchs von Gehölzen, die ein gutes Ausschlagvermögen besitzen, gefördert. Auch regelmäßiges „Auf-den-Stock-Setzens“ muss erfolgen, damit die Hecke nicht zu einer Baumreihe wird.

Knick in Schleswig-Holstein

Typische „Knick- Gehölze“ sind: Eiche, Buche, Ahorn, Holunder, Brombeere, Schlehe, Hainbuche, Weiden, Weißdorn und Wildrosen.

Die heutigen Hecken in unseren Gärten haben eine sehr lange Tradition, sie sollen in erster Linie die Besitzverhältnisse, die Abgrenzung sichtbar machen. Als Gestaltungselement sind Hecken nicht mehr weg zu denken. Allerdings machen „Zäune“ aus Holz oder Metall den natürlichen Hecken Konkurrenz, sind sie doch scheinbar pflegeleichter….

Unter den Hecken gibt es eine große Vielfalt und so ist Hecke nicht gleich Hecke! Der Zweck, den eine Hecke erfüllen soll, sollte für die Auswahl der Heckenpflanze bestimmend sein.

Eine Hecke kann eine bestimmte Funktion übernehmen. Sie kann eine Sichtschutzhecke sein, eine Lärmschutz-hecke, eine Hecke, die vor Eindringlingen schützt, eine Abgrenzungshecke. Oftmals übernimmt eine Hecke aber gleich mehrere Funktionen.

Eine Sichtschutzhecke wird gerne in Gebieten mit dichter Bebauung gepflanzt. Man möchte sich vor fremden Blicken schützen. Bei geringer Gartenfläche darf es eine recht schmale Hecke sein. Eine Höhe von 2 Meter und Breite von 50 bis 60 Zentimeter sollte diesen Zweck erfüllen. Hierfür eignen sich Liguster, Goldliguster, Hainbuche, Eibe oder sogar Efeu, der an einem Maschendrahtzaun o.ä. gezogen wird. Wichtig für die Planung ist, dass die Grenzabstände eingehalten werden und/oder man sich mit seinen Nachbarn einigen kann.

Eine „Lärmschutzhecke“, die Straßenverkehr oder Industrielärm abhalten soll, muss eine gewisse Breite und Höhe haben und dicht und kompakt wachsen. Viel Blattmasse ist von Vorteil. Hierzu können Kirschlorbeer, Immergrüner Liguster, Koniferen oder Blütenhecken verwendet werden.

Möchte man unerwünschte Eindringlinge abhalten, das Grundstück zu betreten, so sind bedornte oder bestachelte Gehölze die erste Wahl: Berberitze, Zierquitte, Sanddorn, Weißdorn, Feuerdorn, Brombeere, Wildrosen wie z. B. die Stacheldrahtrose.

Eine Obsthecke übernimmt gleich mehrere Funktionen. Sie ist Sichtschutzhecke und Blütenhecke in einem. Naschhecken aus Blaubeeren, Johannisbeeren etc. sollten nicht an einer vielbefahrenen Straße liegen. Man sollte ebenfalls darauf achten, dass gleich hoch und gleich stark wachsende Pflanzen miteinander kombiniert werden, damit man eine etwa ähnlich hohe Hecke erhält.

Dann können wir Vogelschutzhecken pflanzen, die nicht nur Nistplätze anbieten, sondern im Winter auch Nahrung. Dafür eignen sich Felsenbirne, Weißdorn, Heckenkirsche, Haselnuss, Holunder, Mehlbeere, Schlehe, Vogelbeere, Zieräpfel und viele mehr.

Im Norden der Republik maßgebend ist oftmals die Windschutzhecke. Hier sind es vor allem die Herbst und Winterstürme, die in den Gärten Schaden anrichten. Kalte Winde in Frostphasen tun ihr übriges. Hinzu kommt, dass der Wind auch noch gepaart ist mit salzhaltiger Luft.

Gärten hinterm Deich oder auf freier Pläne, wie in der Marsch, sollten unbedingt auf Windschutz bauen! Es gibt Gehölze, die mit unserem Wind sehr gut zurecht kommen. Dazu gehören: Feldahorn, Erle, Felsenbirne, Berberitze, Birke, Hainbuche, Zierquitte, Kornelkirsche, Hartriegel in Sorten, Haselnuss, Weißdorn, Ölweide, Buche, Sanddorn, Ilex, Liguster, Wildapfel, Platane, Schlehe, Schwarzdorn, Hundsrosen, Heckenrose, Hechtrose, Dünenrose, Weide, Holunder, Mehlbeere und die Eibe. Alle genannten kommen auch mit Salzluft gut zurecht.

Für Beeteinfassungen oder niedrige Hecken eignen sich Stauden oder Kräuter hervorragend. Hierzu gehören: Katzenminze, Heiligenkraut, Eberraute, Gamander, Frauenmantel, Wollziest, Lavendel und Curry-Kraut.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und für seinen Garten eine neue Hecke plant, der wird mit Sicherheit auf den vielen Pflanzenbörsen, die jetzt im Frühjahr vielerorts zu finden sind, günstig an seine Wunsch-Heckenpflanzen kommen. Imker, Jäger und Naturverbände bieten in Zusammenarbeit mit örtlichen Baumschulen diese Jungpflanzen zu günstigen Preisen an. Jungpflanzen brauchen vielleicht etwas länger, bis sie eine passable Höhe erreicht haben, wurzeln aber meiner Erfahrung nach besser ein und holen schnell auf. Wer im Frühjahr pflanzt, sollte seine neue Hecke den Sommer über gut mit Wasser versorgen.

In Dithmarschen findet solch eine Pflanzenbörse, veranstaltet vom Kreisimkerverein Dithmarschen-Süd in Zusammenarbeit mit der Baumschule Eggert aus Vaale, am 24.03.2018 von 10.00- ca. 12.30 Uhr auf dem Parkplatz der Firma Profi-Lützen in Sankt Michaelisdonn statt.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Heckenpflanzen gemacht? Sind euch die immergrünen Hecken die liebsten oder bevorzugt ihr ganz natürliche Abgrenzungen zum Nachbarn? Ich freue mich auf eure Post!

 



2 Gedanken zu „Fein ausgeheckt!

  1. Sehr interessant, was Du über die Hecken zu berichten weißt! Meine Ligusterhecke habe ich allerdings schon oft verflucht, wenn es um den Schnitt ging. Das ist jedesmal ein Gewaltakt! Aber ohne wäre es natürlich auch nichts!
    viele Grüße von Margit

    • Kathrin Kock sagt:

      Liebe Margit,

      die Alternativen für eine natürliche Hecke finde ich meistens nicht so richtig gut. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man sich zur Abgrenzung zu den Nachbarn mit diesen einigen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das gar nicht so leicht ist. Der eine mag keine Blätter, der andere keine Nadeln…

      Und es ist so, das jährliche Schneiden (meistens sogar 2 x pro Jahr) wird im Alter nicht einfacher. Trotzdem liebe ich Hecken! Die Gestaltungsvielfalt ist einfach riesig.

      Schöne Ostern für dich und deine Familie!

      Liebe Grüße

      Kathrin

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